Erste seniorenfreundliche Notfallaufnahme

Das Universitätsspital Basel hat als erstes Schweizer Spital eine seniorenfreundliche Notfallaufnahme in Betrieb genommen.

Der neu eröffnete Sektor ist ganz auf die speziellen Bedürfnisse von älteren Patientinnen und Patienten ausgerichtet. Mit seinem neuen Angebot sorgt das Notfallzentrum des Universitätsspitals Basel dafür, dass Notfallpatienten über 65 Jahre in einer hellen und ruhigen Atmosphäre altersgerecht behandelt werden können.

Menschen, die über 65 Jahre alt sind, machen aktuell rund 30 Prozent aller Eintritte in das Notfallzentrum des Universitätsspitals Basel (USB) aus. Der Anteil dieser Altersgruppe, insbesondere jener über 85 Jahre, wird in den kommenden Jahren weiter stark ansteigen. Dieser Entwicklung haben die Notfallstationen der Schweizer Spitäler bisher nur wenig Rechnung getragen. Nun hat das USB als erstes Spital der Schweiz eine Notfallaufnahme in Betrieb genommen, die ganz auf die speziellen Bedürfnisse von älteren Patientinnen und Patienten ausgerichtet ist.

Die seniorenfreundliche Aufnahme befindet sich in einem separaten Raum unmittelbar neben dem Behandlungstrakt des Notfallzentrums. Während im allgemeinen Behandlungstrakt bisweilen hektische Betriebsamkeit herrscht, zeichnet sich die seniorenfreundliche Notfallaufnahme durch eine ruhige Atmosphäre aus. Der Raum ist dank Tageslicht und guter Beleuchtung angenehm hell und ermöglicht den Patientinnen und Patienten freie Sicht nach draussen, was für die Orientierung sehr hilfreich ist. Dazu trägt auch eine grosse Uhr bei, die zentral im Raum an der Wand montiert ist.

Diverse spezielle Hilfsmittel

Im Unterschied zum allgemeinen Behandlungstrakt, wo die Patientinnen und Patienten in der Regel liegend betreut werden, ist die seniorenfreundliche Notfallaufnahme mit Sesseln zum Sitzen ausgestattet. Insbesondere ältere Patientinnen und Patienten fühlen sich sitzend wohler, weil sie weniger Schmerzen empfinden. In sitzender Position entfällt zudem das ständige Starren an die Decke, was zu Verwirrtheit führen kann. Weitere Hilfsmittel, welche die Seniorinnen und Senioren unterstützen, sind Seh-, Hör- und Gehhilfen sowie Handläufe, um die Sturzgefahr zu minimieren.

Voraussetzung für einen Eintritt in den neuen Sektor ist, dass die betreffende Person selber stehen und gehen kann und keine Hochrisikosituation vorliegt. Es kommen daher nur mittelschwere Notfälle in Betracht. Die seniorenfreundliche Notfallaufnahme ist mit vier Behandlungsplätzen gestartet, doch über eine Erweiterung müsse man wohl zu gegebener Zeit nachdenken, meint Prof. Roland Bingisser, Chefarzt Notfallzentrum des USB. Er schätzt, dass pro Jahr rund 3‘400 Seniorinnen und Senioren für eine Behandlung im neuen Sektor in Frage kämen. 2016 wurden im Notfallzentrum des USB insgesamt rund 53‘000 Patientinnen und Patienten behandelt.

«Es ist ein Kulturwandel des gesamten Notfallteams nötig, um Seniorinnen und Senioren altersgerecht optimal betreuen können», sagt PD Dr. Christian Nickel, Leitender Arzt des Notfallzentrums am USB. Nur mit einer speziell ausgebildeten Ärzteschaft und Pflege könne gewährleistet werden, dass kognitive und funktionelle Defizite bei älteren Menschen entdeckt würden, und das Risiko für Komplikationen entsprechend minimiert werde. Nickel hat sich als Vorsitzender einer Expertengruppe der Europäischen Gesellschaft für Notfallmedizin (EUSEM) intensiv mit dieser Thematik befasst.