Nationale Konferenz Gesundheit2020 «Less is more»

Ärztinnen und Ärzte stehen täglich vor der Herausforderung, verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zu evaluieren und gemeinsam mit ihren Patientinnen und Patienten die optimale Behandlung zu finden.

Dabei bieten HTA, Guidelines, Choosing Wisely-Initiativen sowie weitere ärztliche Projekte hilfreiche Orientierung. Ärztliche Fachgesellschaften und die FMH setzen sich seit mehreren Jahren dafür ein, die Behandlungsqualität und damit auch die Patientensicherheit weiter zu steigern. Im Vordergrund steht dabei stets der Nutzen für den Patienten.

Damit Patienten sich auf eine qualitativ hochstehende Versorgung verlassen können, erwägen Ärztinnen und Ärzte täglich zusammen mit den Patienten, welche die für sie bestgeeignete Therapie ist und ihrer Präferenz am ehesten entspricht. Neben der Abwägung verschiedener Behandlungsmöglichkeiten setzt sich die Ärzteschaft ebenfalls dafür ein, sowohl einen Overuse (Überversorgung) als auch einen Underuse (Unterversorgung) zu vermeiden, da beides die Behandlungsqualität mindert und damit die Patientensicherheit gefährdet. So hat die Schweizerische Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin mit der vor drei Jahren lancierten Kampagne «Smarter Medicine» als schweizweit erste ärztliche Fachgesellschaft Pionierarbeit geleistet. Ziel des Projektes ist es, den behandelnden Ärzten Entscheidungsgrundlagen zu bieten für die Wahl der Behandlung. Zentrales Element ist eine Liste mit Interventionen aus dem Fachgebiet Allgemeine Innere Medizin, von denen abgeraten wird, weil sie den Patienten keinen messbaren Nutzen bringen oder das Risiko den möglichen Nutzen übersteigt. Wie bei anderen Choosing Wisely-Initiativen ist dabei eine enge Partnerschaft zwischen Patient und Arzt zentral. Auch die Fachgesellschaften für Herzchirurgie sowie Orthopädie und Traumatologie sind im Bereich Patientensicherheit und -nutzen aktiv: Beide Gesellschaften lancierten Register, die alle in Schweizer Spitälern durchgeführten Herzoperationen bzw. Endoprothesen samt aller Komplikationen erfassen.
 
Die beste Option innerhalb einer breiten Palette von Möglichkeiten zu finden, dafür engagiert sich die FMH auch im Rahmen von Health Technology Assessments (HTA). Mit dieser Methode lassen sich bisherige wie auch neue medizinische Leistungen auf ihre Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit prüfen. Damit liefern HTA eine gute Orientierung, lassen aber - wie auch Guidelines oder Choosing Wisely-Initiativen - die therapeutische Freiheit unangetastet. Damit sich die Ärzteschaft auch weiterhin zentral bei Qualitätsfragen einbringen kann, sind insbesondere das Wissen und die Erfahrung der medizinischen Fachgesellschaften notwendig: Sie sind die Experten rund um Fragen zu Over- und Underuse bzw. zur Versorgungsqualität in ihrer Fachrichtung.
 
Kosteneinsparungen können sich zwar aufgrund von Empfehlungen wie HTA oder Guidelines einstellen, sie sind aber nie das primäre Ziel. So lehnt die FMH beispielsweise zielbezogene Bonusvereinbarungen in Spitalarztverträgen generell ab und insbesondere solche, welche an Mengenziele geknüpft sind.